Die Ausstellung mit dem Titel Verfemt – verfolgt – vergessen? Kunst und Künstler im Nationalsozialismus zeigt Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider im Ephraimpalais. Das Ephraimpalais an der Poststraße 16 ist Teil des Stadtmuseums Berlin und beherbergt dessen grafische Sammlung.

Ephraim Palais Stiftung Stadtmuseum Berlin

Seit der Neueröffung 1987 finden auf den drei Etagen des ehemaligen Bürgerhauses Wechselaustellungen zur Berliner Kunst- und Kulturgeschichte statt. Die laufende Ausstellung ist Bestandteil des Themenjahres 2013 Zerstörte Vielfalt.

Zur Eröffnung gab es im Blog der Berlinstory einen ausführlichen Bericht mit Bildern. Das Fotografieren in der Ausstellung ist leider verboten. Umso mehr empfiehlt es sich, die Ausstellung zu besuchen – und Zeit mitzubringen. Noch bis zum 28. Juli ist sie in Berlins Mitte zu sehen. Das Ephraimpalais ist Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr geöffnet, Mittwochs von 12 bis 20 Uhr.

Ausstellung Kunst und Künstler im Nationalsozialismus im Ephraimpalais

Die Sammlung Gerhard Schneider ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend. Gerhard Schneider, 1938 geboren, hat als Lehrer gearbeitet und sich ab Mitte der achtziger Jahre auf die Spurensuche nach einer verschollenen Künstlergeneration begeben, nämlich jenen Künstlern, die nach 1933 ein Berufsverbot bekamen, weil ihre Kunst als „entartet“ galt. Viele dieser Künstler gingen in die innere oder äußere Emigration und manch einer zerbrach an seinem Schicksal wie die Dresdner Künstlerin Elfriede Lohse-Wächter, deren Werk „Zur Rechtfertigung“ im Ephraim-Palais gezeigt wird. Heute umfasst die Sammlung Werke von über 400 Künstlern, die fast in Vergessenheit geraten wären.

Die Ausstellung zeigt vor allem auch eindrücklich, wie sehr die Potenziale innerhalb der jüngeren Künstlergeneration mit der Kulturpolitik der Nazis zerstört und in ihrer Entwicklung behindert wurden. Gerade diese Ausstellung zeigt, dass der Titel des Themenjahres Zerstörte Vielfalt überaus passend gewählt wurde. Namen wie Georg Netzband, Richard Packung, Heinrich Seepolt oder Hella Jakobs sind heute zumeist nur unter Kunsthistorikern bekannt. Gleichwohl zeugen die Werke der Künstler von kreativer Auseinandersetzung mit der politischen Situation und der erfahrenen Repression.

Und es gibt hoffnungsfrohe Geschichten, die im Verlauf der Ausstellung erzählt werden, Geschichten von Solidarität und Widerstand. Als die Hamburgische Sezession 1933 kurz nach der Machtergreifung aufgefordert wurde, alle jüdischen Mitglieder auszuschließen, beschlossen die Vereinsmitglieder am 16. Mai 1933 die Selbstauflösung der gesamten Gruppe. Das Vereinsvermögen wurde bei einem gemeinsamen Umtrunk in Champagner umgesetzt.

Am kommenden Wochenende, am Sonntag, den 23. Juni um 15 Uhr und noch einmal am 7. Juli finden kostenlose Überblicksführungen statt. Der Eintritt in diese sehenswerte Ausstellung beträgt 5,00 Euro.

Im Jahr 2013 erinnern zahlreiche Berliner Museen und Einrichtungen an die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933. Unter dem Motto „Zerstörte Vielfalt“ werden die unterschiedlichsten Aspekte dieser Machtergreifung und ihrer Folgen beleuchtet.

zerstoerte-vielfalt-berlin-33-38Vor dem Schlossplatz wird über die „Zerstörte Vielfalt. Berlin 1933-1938“ informiert

Die Ausstellung mit gleichnamigen Titel im Deutschen Historischen Museum bietet dabei einen Überblick über 40 von insgesamt 120 stadtweiten Projekten. Das ist eine geballte Fülle von Informationen. Und so hat diese Ausstellung denn auch weniger den Anspruch, einzelne Themen tiefgreifend zu beleuchten, sondern vielmehr auf die Ausstellungen im Stadtbereich hinzuweisen und erste Informationen zu geben.

Dazu sind im Anbau des DHM, der wunderbaren Ausstellungshalle des chinesisch-amerikanischen Architekten I.M. Pei, einzelne Stationen in Form eines Stadtrundgangs aneinandergereiht. Der Weg beginnt mit einer Filmsequenz, die das pulsierende Leben in der Großstadt Berlin während der Weimarer Republik zeigt. Ein weiter Bogen wird nun von hier aus gespannt, mit Objekten, Dokumenten, Plakaten, Kunstwerken, Fotos, Stadtplänen und Installationen werden dem Besucher die unterschiedlichsten Themen nähergebracht. Die Gleichschaltung des Zeitungswesens, der Terror gegen politische Gegner, das jüdische Leben in Berlin, die künstlerische Avantgarde, das rote Berlin, Zwangssterilisation – kaum ein Thema wird ausgelassen.

Und so bewegt man sich langsam und aufmerksam Schritt für Schritt durch die Zeit und bekommt einen Eindruck von der Vielfalt des kulturellen Lebens vor 1933 und der systematischen Zerstörung und Zerschlagung nach 1933.

Hinweise auf die Ausstellungen im Stadtbereich zum Themenjahr 2013, mit Laufzeiten und Öffnungszeiten sind überall zu finden. Sehr hilfreich: jeder Besucher bekommt kostenlos einen Mini-Ausstellungskatalog im Handtaschenformat. Hier kann man in aller Ruhe  nachlesen und alle Informationen zu den Einzelausstellungen nachschlagen.

Das Deutsche Historische Museum (DHM) ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, die Ausstellung vom 31. Januar bis zum 10. November 2013 zu sehn. Der Eintritt in diese Ausstellung ist frei.

Das Alte Museum ist der erste Bau des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel in Berlins Mitte. Und deshalb gibt es zwei gute Gründe, dieses Museum zu besuchen. Denn neben den derzeit ausgestellten Exponaten der Antikensammlung ist der Bau selbst schon prächtig genug, um Freunde der Kunst und Kultur zu begeistern.

Altes Museum in Berlin-Mitte

Gegenüber vom Schlossplatz mit seiner Baustelle und der Humboldt-Box bildet das Alte Museum den Eingangsbereich der Museumsinsel. Achtzehn große Säulen tragen den Eingangsbereich Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Gemäldegalerie hat eine ruhmreiche Geschichte. Sie wurde 1830 im heutigen Alten Museum eröffnet, das Berlins Baumeister Schinkel geplant und errichtet hat. 1904 zog sie um ins Bode-Museum. Mit der Teilung Berlins wurden die wertvollen Sammlungsbestände auf zwei Häuser verteilt. Seit 1998 ist die Sammlung im Neubau des Kulturforums am Matthäikirchplatz wiedervereinigt. Sie zählt zu den bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis 18. Jahrhundert.

kulturforum

Ein grauer Sonntagvormittag mit Nieselregen ruft danach, dieses Juwel unter Berlins Museen endlich zu besuchen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Noch bis 17. Februar 2013 ist die Ausstellung „Visions Of Modernity“ im Berliner Guggenheim-Museum zu sehen. Diese deutsche Niederlassung der Gugggenheim Foundation ist unter den Linden 13-15 in Berlins Mitte im Gebäude der Deutschen Bank untergebracht. Seit 1997 besteht die für Berlin sehr glückliche Kooperation zwischen  Deutscher Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation. Sie wurde im letzten Jahr plötzlich und überraschend aufgekündigt und so wird „Vision of Modernity“ die letzte Ausstellung der Kunstpartner sein.

Franz Marc Die Stallungen 1913

Zum Abschied wird eine Gala-Vorstellung geboten, Meisterwerke des Impressionismus und der klassischen Moderne erwarten die Besucher. Jeden Montag kann das Museum unter dem Motto I like Mondays kostenfrei besucht werden, Dienstag bis Sonntag kostet der Eintritt vier Euro. Die Öffnungszeiten sind von 10 bis 20 Uhr. Berlinbesucher sollten dieses Highlight unbedingt in den kommenden Wochen nutzen.

Im Eingangsbereich werden die Besucher mit Gemälden des Impressionismus begrüßt. Eine sehr lichte Venedig-Ansicht von Monet hängt dort neben einer Winterlandschaft von Van Gogh. Beides sind eher atypische Motive dieser Maler. Sie sind nichts desto trotz in ihrer Schönheit beeindruckend und wirkungsvoll.

Direkt um die Ecke sind die ausgewählten Klassiker der Moderne in einem größeren Raum aneinandergereiht. Alle berühmte Namen und Richtungen sind vertreten. Picasso, Chagall, Franz Marc, Leger, Delaunay, Kandinsky, Theo von Doesburg und bis auf eine Komposition Nr. 8 von Piet Mondrian dürfen alle Bilder fotografiert werden.

Den Hinweis auf das SA-Gefängnis in der Papestraße verdanke ich der  Zitty-Novemberausgabe, mit einer Titelstory zu geheimnisvollen Orten in Berlin. Den Teufelsberg im Grunewald, Opener des Artikels, kannte ich schon, andere Tipps wie die Führungen des Vereins Berliner Unterwelten stehen oben auf meiner Berlin-Liste.

Das SA-Gefängnis habe ich am ersten Sonntag im November besucht. Sonntags und Mittwochs ist der Gedenkort von 14 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Das Gebäude ist in der Nähe des S-Bahnhofs Südkreuz gelegen, in einer ehemaligen Eisenbahnerkaserne. Hier – östlich der roten Insel – war im 19. Jahrhundert das 1. Eisenbahnregiment untergebracht.

Heute befindet auf dem Gelände am Werner-Voß-Damm 54 ein Gewerbegebiet. Erst 1992 konnte das SA-Gefängnis in einem der Gebäude eindeutig verortet werden. Das ist der Geschichtswerkstatt Papestraße zu verdanken, die gemeinsam mit den Museen Tempelhof-Schöneberg vor sieben Jahren erstmalig die Geschichte dieses Ortes in einer kleinen Ausstellung präsentierte.

Das ehemalige Gefängnis wirkt von außen unscheinbar und ist weitestgehend im ursprünglichen Zustand erhalten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Da ich inzwischen jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit durch die Niederkirchner Straße und Wilhelmstraße radle, ist die Sonderausstellung zur Wilhelmstraße im dritten Reich im Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ ein absolutes „Must“ für mich.

Nebenbei bemerkt: die Dauer-Ausstellung zur Topographie des Terrors zwischen 1933 und 1945 ist unbedingt sehenswert und Pflichtprogramm für jeden Berlinbesucher, der sich mit der Geschichte des dritten Reichs auseinandersetzen möchte. Die Ausstellung, die das gesamte Gelände miteinschließt, ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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Neben etlichen Metern Restmauer im Original liegt das Dokumentationszentrum auf einem Areal, auf dem sich von 1933 bis 1945 die Zentralen des nationalsozialistischen Terrors befanden, das GESTAPO-Amt mit eigenem Hausgefängnis, die Reichsführung der SS und das sogenannte Reichssicherheits-Hauptamt. Diesen Beitrag weiterlesen »

An einem sonnigen Sonntag im August radelte ich von Schöneberg zum Wannsee. Die gut ausgeschilderte Route führt am Schöneberger Rathaus entlang über den Südwestkorso nach Dahlem und die langen Alleen herunter zum Mexikoplatz. Von dort geht es über die Matterhornstraße direkt zum Wannsee.

Erstes Ziel ist die Glienicker Brücke, die einst die Grenze zwischen West- und Ostberlin markierte. Auf dieser Brücke fand in Zeiten des kalten Krieges einige Male der Austausch von Agenten statt, deshalb heißt sie auch Brücke der Spione. Und sie trennt den kleinen vom großen Wannsee.

Große Zentauren bewachen den Anfang der Brücke und sind ein dankbares Fotomotiv. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Zitadelle in Spandau war am Pfingstsamstag das Ziel meiner Radtour. An einem sonnigen Morgen bin ich am Winterfeldt-Markt vorbei geradelt, quer durch Schöneberg zum Landwehrkanal. Am Kanal führt ein Radweg entlang bis zum Schloss Charlottenburg. Am Rande des wunderschönen Schlossgartens geht es zum Belvedere und dann führt der nächste Teil des Radwegs zwischen Bahngleisen und Schrebergärten an der Spree entlang.

Die letzten Kilometer geht es durch ein Gewerbegebiet. Der Weg führt an Industrieanlagen und am Klärwerk Ruhleben vorbei. Diese Mischung aus Natur und Industrie erinnert mich natürlich wieder an das Ruhrgebiet. In Spandau angekommen, geht es zur Altstadt mit einer der ältesten Kirche Berlins, St. Nikolai. Der Weg zur Zitadelle führt aber in die entgegengesetzte Richtung. Die alte Askanierburg liegt von Wasser umgeben, kurz hinter der Stelle, an der Spree und Havel zusammenfließen.

Blick vom Turm der Zitadelle in Spandau

Über einen Wassergraben gelangt man durch das Burgtor in die alte Festung, die schon im 16. Jahrhundert errichtet wurde. Die Zitadelle ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet, jeweils von 10 bis 17 Uhr. Mit dem Eintritt von 4,50 Euro kann die gesamte Anlage besichtigt werden. Jede Seite der Burg ist 200 Meter lang und wer sich die Zeit nimmt, den Wall entlang zu laufen und die vielen Gebäude anzuschauen, merkt schnell, dass ein museales Konzept für die Zitadelle fehlt.

Im Eingangsbereich im alten Kommandantenhaus, ist eine Ausstellung zur Geschichte der  Burg untergebracht. Ausgrabungen und die ältesten Bauteile können dort besichtigt werden. Im ehemaligen Zeughaus ist auf zwei Etagen die Stadtgeschichte Spandaus ausgestellt, dort habe ich erfahren, dass die Freilichtbühne neben der Zitadelle 1926 mit der Aufführung der Sappho von Franz Grillparzer eingeweiht wurde. Die sogenannten italienischen Höfe und der gotische Saal können für Veranstaltungen gemietet werden. Im Inneren der Burg sorgen die Berliner Veranstalter Trinity Music regelmäßig für Rock-, Pop- und Klassik-Konzerte.

Zitadelle Spandau Juliusturm

Der Juliusturm ist das Herzstück der Festung, Diesen Beitrag weiterlesen »

Schon letztes Jahr, als ich im Sommer Urlaub in Berlin machte, bin ich mit dem Rad auf dem ehemaligen Flugplatz Tempelhof herumgefahren und fand es faszinierend, auf diesen endlos scheinenden Rollbahnen unterwegs zu sein.

Flughafen Tempelhof

In Zahlen ausgedrückt sind es vier Millionen Quadratmeter Freifläche mitten in der Stadt bzw. am Rand der Stadtteile Neukölln, Tempelhof und Kreuzberg. So vermittelt der leere Tempelhof ein Gefühl von unendlicher Weite mitten in einer Großstadt.

Freiheit auf dem Tempelhofer Feld

Am Tag der Arbeit bin ich morgens um halb sieben zum Platz der Luftbrücke geradelt, um die Tempelhofer Freiheit einmal ganz für mich alleine zu haben. Diesen Beitrag weiterlesen »